Haltung und Zucht von Oryzias woworae

Oryzias woworae dürfte europaweit wohl die Reisfischart aus Sulawesi sein, die am einfachsten zu bekommen ist. Es ist gleichzeitig die einzige Art, die es geschafft hat, sich in die breite Masse der Aquarianer „vorzuschwimmen“ und gehört, zumindest in Deutschland, inzwischen zum Standardangebot fast jedes Aquariengeschäftes. Allerdings bekommt man inzwischen oftmals nicht mehr die ursprüngliche Form, sondern meistens eine wesentlich dunklere Variante mit mehr Schwarz- bzw. Violettanteilen. Eigentlich könnte man also sagen, dass der Bestand der Art in der Aquaristik derzeit so gesichert ist, dass sich auf Reisfische spezialisierte Züchter nicht mehr um sie kümmern müssen. Trotzdem will ich einige Sätze über Haltung und Zucht der Art schreiben, denn eben weil sie so verbreitet und recht einfach zu halten ist, kann sie für manche Anfänger eine prima „Einsteigerart“ sein, um erste Erfahrungen mit Sulawesi-Reisfischen zu sammeln.

© Hans-Georg Evers

Wie die beiden Schwesterarten O. asinua und O. wolasi, die aber ungleich weniger leicht zu züchten sind, ist O. woworae als sehr klein bleibende Art schon für Aquarien mit 60 Zentimeter Seitenlänge geeignet. Die Einrichtung kann nach dem Geschmack des Halters erfolgen, solange die Mindestanforderungen hinsichtlich Temperatur und Wasserchemie eingehalten werden. Und auch hier zeigt sich inzwischen ein gewisser Domestikationsprozess: Die heute im Zoohandel erhältlichen Exemplare sind deutlich anpassungsfähiger als die ersten eingeführten Tiere, so dass der Nachzucht eigentlich nichts im Wege steht. Ich habe die Art in reinem Leitungswasser gezüchtet, was konkret bedeutet, dass der pH-Wert bei 7,5 lag und das Wasser eine mittlere Härte von 10° dH (Deutsche Gesamthärte) aufwies. Die Temperatur schwankte zwischen 22 und 25 Grad Celsius, weitere Wasserwerte hatte ich nicht bestimmt.

Das Aquarium, in dem ich früher O. woworae gehalten habe. Es sieht immer noch weitgehend gleich aus, obwohl es derzeit den Regenbogenfisch Melanotaenia pygmaea beherbergt.

Der Größe der Tiere angemessen sollte die Futterauswahl erfolgen: Artemianauplien, Wasserflöhe, feines Flockenfutter und auch kleine Mückenlarven sind gut geeignet. Die Geschlechter lassen sich recht gut unterscheiden: Männchen wirken deutlich farbiger, dafür sind Weibchen etwas fülliger und insgesamt rundlicher.

Die einfachste Art, O. woworae zu züchten ist, einen sogenannten Laichmop, wie man ihn bei der Zucht von Regenbogenfischen oder Killifischen kennt, in das Aquarium zu geben. Dieses künstliche Laichsubstrat, bestehend aus synthetischer Wolle mit einem Schwimmer am oberen Ende, wird in der Regel sehr gerne angenommen. Die Weibchen steifen die Eier kurze Zeit nach der Befruchtung daran ab. Nach zwei Wochen kann man den Mop dann in ein kleines Aufzuchtbecken überführen, wo die Jungen tempraturabhängig nach ca. zwei bis drei Wochen schlüpfen. Sie lassen sich sehr leicht mit feinem Trockenfutter oder mit Einzellern wie den sogenannten Rettichtierchen (Spirostomum sp.) aufziehen.

Laichmop.

Ältere Tiere zeigen manchmal deutliche Vergreisungserscheinungen. Manche Exemplare werden dünn, bei manchen sieht es aus, als ob die Haut faltig wird. Wieder andere bekommen einen zunehmend krummen Rücken. In der Regel sind diese Veränderungen nicht krankhaft und die Tiere können noch sehr lange damit leben. Da solche Veränderungen auch bei der nahe verwandten Art O. asinua beobachtet werden können, sind sie wohl nicht auf mangelnde Auslese beim Domestikationsprozess zurückzuführen. Ob solche Alterserscheinungen auch in der Natur auftreten, ist meines Wissens nicht bekannt. Aber man muss auch bedenken, dass in der Natur die wenigsten Exemplare ein vergleichbar hohes Alter erreichen können wie im Aquarium!

Oryzias woworae, ältere Exemplare. © Markéta Rejlková

Gunnar Loibl