Kennt ihr die Sulawesischnecken?

Einer der Hauptgründe, warum wir das Erhaltungszuchtprogramm für Sulawesischnecken ins Leben gerufen haben, war, das Wissen bei Aquarianerinnen und Aquarianern über diese Tiergruppe zu vertiefen. Man kann heute recht einfach Tylomelania-Schnecken kaufen, aber nicht alle Aquarianerinnen und Aquarianer wissen um die Herkunft und die Bedürfnisse dieser Tiere für ein langes, glückliches Leben. Auch bei den Schnecken haben wir viele bedrohte Arten, und durch erfolgreiche Aquarienzucht können wir alle zur Arterhaltung beitragen. Die Sulawesi Keepers veröffentlichen nach und nach Informationen und Materialien aus der Natur und aus Aquarienhaltung. Wir glauben daran, dass besser informierte Züchter bessere Chancen haben, die Arten im Aquarium auch über längere Zeit und in vielen Generationen zu vermehren.

Du bist der Ansicht, du kennst die Sulawesischnecken schon recht gut? Hier kannst du dein Wissen mit unserem Quiz testen:

1. Wie viele Tylomelania-Arten gibt es?

Bis dato wurden 43 Arten beschrieben, aber mindestens 20 weitere warten noch auf ihre wissenschaftliche Erstbeschreibung. Es ist also wenig überraschend, dass die Vertreter der Tylomelania, die wir in der Aquaristik kennen, nur ein Bruchteil der artenreichen Gattung sind. Und dann haben wir die etwa 40 anderen endemischen Schneckenarten anderer Gattungen noch gar nicht in Betracht gezogen, die ebenfalls in den Flüssen und Seen Sulawesis leben.

Schnecken aus dem Poso-See, die willkürlich an einem Ort gesammelt wurden. Die meisten von ihnen sind noch unbeschrieben.
2. Kommen alle Tylomelania aus den bekannten Alten Seen?

Nur manche von ihnen. Viele Leute in der Aquaristik nehmen automatisch an, dass es sich bei den Sulawesischnecken (und den Sulawesigarnelen) um Bewohner der bekannten Seen handelt. Man kann aber auch Arten aus den Flüssen kaufen, die mit deutlich niedrigeren Wassertemperaturen zurechtkommen.

Tylomelania sp. vom Saluopa-Wasserfall mit seinem schnell fließenden, sehr sauerstoffreichen Wasser.
3. Herrschen in allen Sulawesi-Seen dieselben Bedingungen?

Nein. Der Poso-See hat eine andere Wasserchemie, und auch zwischen den einzelnen Seen des Malili-Seensystems (Matano, Mahalona, Towuti, Masapi und Lontoa) gibt es geringfügige Abweichungen, die jedoch für die Schneckenhaltung nicht relevant sind; grundsätzlich haben wir eine Wassertemperatur von rund 29 °C, einen hohen Sauerstoffgehalt, sehr sauberes, weiches Wasser, das dennoch einen hohen pH-Wert besitzt.

Die Seen auf Sulawesi sind einzigartig und wunderschön.
4. Fressen Sulawesischnecken Algen?

Grüne Fadenalgen gehören definitiv nicht zu ihrem natürlichen Nahrungsspektrum. In Abhängigkeit vom Substrat, auf dem sie leben, sind die Sulawesischnecken mehr oder auch weniger daran interessiert. Die sogenannten Generalisten unter ihnen, die nicht explizit substratgebunden leben, sind nicht nur Allesfresser, sondern auch echte Vielfraße. Sie meiden selbst diese Algen nicht. Andere Arten dagegen leiden in einem völlig veralgten Aquarium!

Es ist unglaublich, wie viele Schnecken "nackte" Steine abweiden.
5. Brauchen Sulawesischnecken Steine?

Arten, die an Hartsubstrat gebunden leben (siehe im vorherigen Punkt) verbringen ihre Zeit überwiegend auf Steinen, dem Glas oder anderen glatten Oberflächen, von denen sie den Biofilm abweiden. Diese Schnecken fressen kein fädigen Algen, und in Aquarien mit starkem Algenbefall werden die Schnecken aktiv daran gehindert, die Oberflächen zu beweiden (ganz davon abgesehen, dass sie ein Anzeiger für problematische Wasserwerte sind). Schneckenarten, die an Weichsubstrat gebunden leben,  findet man kaum auf Steinen. Ihnen nimmt eine Steindekoration tatsächlich Lebensraum auf feinem Sand oder Schlamm weg.

Weichsubstratbewohner im Towuti-See.
6. Wie lange leben Sulawesischnecken?

Das wissen wir nicht ganz genau. Wer jedoch eine Schnecke für zwei bis drei Jahre sucht, ist mit Tylomelania schlecht bedient – sie können im Aquarium durchaus zehn Jahre oder länger leben! Wir würden uns freuen, wenn ihr uns eure Erfahrungen hier teilt.

Sehr alte Schnecke aus dem Matano-See.
7. Sind Tylomelania Zwitter?

Nein, diese Schnecken sind getrennt geschlechtlich. Leider lassen sich Männchen und Weibchen nicht anhand äußerer Merkmale voneinander unterscheiden. Die Weibchen haben einen Brutsack, in dem sie ihre Embryos "speichern". Wenn man also Tylo-Babys im Aquarium findet, bedeutet das nicht unbedingt, dass beide Geschlechter in der Schneckengruppe vorhanden sind.

Männchen und Weibchen? Das kann man so leider nicht sagen.
8. Sind Sulawesischnecken lebendgebärend?

Das trifft auf Tylomelania und Celetaia persculpta zu. Andererseits gibt es auch Vorkommen der Schnecken aus der Familie der Posthornschnecken (Planorbidae), wie Miratesta celebensis oder Arten aus der Gattung Protancylus, die Eigelege in der typischen Schleimhülle ablegen.

Ein Gelege von Miratesta celebensis.
9. Verursacht weiches Wasser Gehäuseschäden?

Weichwasser ist kein Problem – das Wasser in den natürlichen Habitaten vieler Schnecken ist sehr weich. Gehäuseschäden können jedoch durch saures Wasser verursacht werden. Aber auch, wenn die Schnecke fehlernährt ist oder auf einen Stein fällt, kann es zu Schäden kommen.

Tylomelania mit stark beschädigtem Gehäuse.
10. Wissen wir denn wenigstens etwas über die am häufigsten gehaltenen Sulawesischnecken?

Wir wissen nicht genug! Die am häufigsten verkaufte Schnecke ist die sogenannte Tylomelania sp. "Orange", die nach der Klassifikation der Sulawesi Keepers (siehe hier) wäre die richtigere Bezeichnung Tylomelania sp. "Poso 1 – Orange". Diese Benennung zeigt uns klar, dass die Tiere aus dem Poso-See stammen, wo sie in größeren Tiefen leben (angeblich unterhalb 15 m). Dort werden sie in Fallen gefangen. Diese Art wurde bisher noch nicht wissenschaftlich beschrieben, da es unglücklicherweise keine Nachweise dieser Tiere im Habitat gibt. Wir werden sehen, ob wir bald eine Beschreibung oder Veröffentlichung mit weiteren Informationen haben.

Eine Schneckenfalle im Poso-See.

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Markéta Rejlková