Mit Oryzias sarasinorum begannen meine praktischen Erfahrungen in der Haltung und Zucht von Reisfischen aus Sulawesi. Meine Ursprungstiere erhielt ich Anfang 2018 von einem bekannten und engagierten Aquarianer, der auch für die Zoologische Staatssammlung München tätig war. Bei ihm sah ich auch zum ersten Mal lebende O. sarasinorum und erhielt bei dieser Gelegenheit ebenso Anregungen zur späteren Haltung bei mir.
Die Haltung und Nachzucht erfolgte bei besagtem Aquarianer in einem geräumigen Aquarium mit recht starker Strömung, wobei das Wasser so gelenkt wurde, dass es aus dem Hauptaquarium zunächst durch ein Gitter in eine Nebenkammer strömte und von dort in den Filter lief. Die im Hauptaquarium schlüpfenden Jungfische wurden so in die Nebenkammer gezogen, wo sie ungestört heranwachsen konnten. Dieses Prinzip, sei es durch Gitter verwirklicht oder durch deltaförmig zusammengeklebte Scheiben mit einem ganz dünnen Spalt dazwischen, hat sich nicht nur bei O. sarasinorum gut bewährt, sondern auch bei vielen anderen Reisfischen und ebenso bei zahlreichen anderen Fischarten.
O. sarasinorum stammt aus dem Lindu-See in Zentralsulawesi. Die Art gilt im See als stark gefährdet und wird in der IUCN Red List mit dem Status Critically Endangered (CR) geführt. Dies ist die dritthöchste Gefahrenstufe nach „ausgestorben“ und „ausgestorben in der Wildbahn“. Aquarienhaltung und Nachzucht dieser und anderer gefährdeter Arten sind also ein aktiver Beitrag zur Arterhaltung. Jeder engagierte Aquarianer kann sich daran beteiligen! Weitere Informationen dazu können interessierte Aquarianer dem entsprechenden Zuchtprogramm der Sulawesi Keepers entnehmen.

O. sarasinorum weist schon durch die pfeilartige Körperform daraufhin, dass es sich um einen guten Schwimmer handelt, der in der Natur auch im freien Wasserkörper lebt. Außerdem gehört die Art mit rund acht Zentimetern Gesamtlänge schon zu den größeren Reisfischen. Entsprechend ausreichend groß muss das Platzangebot für diese Art sein: Ein Aquarium mit 80 Zentimetern Länge stellt das absolute Mindestmaß dar, besser ist ein Meter Kantenlänge. Die Ausstattung des Aquariums ist weniger wichtig, solange ausreichend freier Schwimmraum vorhanden ist. Das Becken sollte also nicht komplett verwildert sein und keinen „Regenwald unter Wasser“ bilden. Wichtig ist sehr sauberes Wasser, das frei von Schadstoffen ist und nur wenig mit Stoffwechselprodukten angereichert ist. Ich selbst betreibe die Aquarien mit luftbetriebenen Filtersystemen, die eine gewisse Strömung erzeugen, aber letztlich ist einfach entscheidend, dass das Wasser sauber ist.
Die Wasserwerte sind, zumindest nach meiner Erfahrung, eher sekundär, solange keine Extremwerte gemessen werden. Die Art kam im sehr harten Leitungswasser von München ebenso gut zurecht wie im eher weichen Wasser bei mir zu Hause. Wichtig erscheint mir eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff zu sein, bei zu geringen Werten halten sich insbesondere ältere Tiere von O. sarasinorum auffallend stark direkt unter der Wasseroberfläche auf. Die Temperatur liegt bei mir zwischen 22 und 26 Grad Celsius und somit um einige Grad unter der Temperatur des sehr warmen Lindu-Sees. Als Halter haben wir die Pflicht, unsere Fische möglichst optimal zu halten. Hohe Energiekosten dürfen nicht dazu führen, Fische falsch und bei zu niedrigen Temperaturen zu halten. Dies kann zu Störungen im Wachstum und der Fortpflanzung führen. Manche Fische sind für die optimale Verdauung auf bestimmte Temperaturen angewiesen oder werden anfällig für verschiedene Krankheiten, wenn sie zu kühl (oder zu warm) gehalten werden. O. sarasinorum wird sich also entsprechend der Herkunft auch bei 30 Grad wohlfühlen. Andererseits können dauerhaft hohe Temperaturen auch dazu führen, dass Fische sich schneller „verbrauchen“ und schneller altern. Ich pflege zahlreiche Regenbogenfischarten aus Neuguinea, die teilweise ebenso aus warmen Seen stammen. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, sie im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten etwas kühler zu halten. Die Fische bleiben länger vital und sie werden deutlich älter. Dennoch darf das nur innerhalb der für die jeweilige Art akzeptablen Spanne erfolgen. Wir können Sulawesi-Fische nicht zu Kaltwasserfischen „umerziehen“!
Die Ernährung der Art ist gänzlich unproblematisch, sie frisst alles, was in das doch recht kleine Maul passt. Ich füttere abwechselnd passendes Flockenfutter sowie diverse Frostfuttersorten (Artemia, verschiedene Wasserflöhe, diverse Mückenlarven und gelegentlich sogar kleinere Garnelen). Wichtig ist eine ausreichende Futterversorgung mit Futter guter Qualität. Die Art hat einen großen Bewegungsdrang und benötigt entsprechend viel Futter.

Es wird berichtet, das O. sarasinorum in der Natur gerne in größeren Gruppen schwimmt. Das Verhalten zeigt sich auch im Aquarium, die Tiere fühlen sich nur in Gemeinschaft einer größeren Gruppe wohl. Meiner Meinung nach sind zehn Exemplare die absolute Untergrenze bei der Haltung. Angesichts der für Reisfische recht langen Körpergröße ist alleine die nötige Gruppengröße ein Indiz für die Verwendung ausreichend großer Aquarien. O. sarasinorum ist jedoch trotz der Größe eine sehr friedliche Art, innerartlich wie auch gegenüber anderen Arten. Allerdings ist die Art nicht sehr durchsetzungsfähig. Ich halte sie in einem Artaquarium und zusätzlich eine „Sicherheitsreserve“ in einem zweiten Aquarium, vergesellschaftet mit verschiedenen kleineren und mittleren Regenbogenfischarten, was ganz gut funktioniert, sofern die Reisfische ausreichend Futter abbekommen.
O. sarasinorum gehört neben O. eversi und O. kalimpaaensis zu den Arten, die ihre Eier nach der Befruchtung bis zum Schlupf umhertragen, die Eier also nicht an Pflanzen abstreifen. Das ist recht praktisch für die Nachzucht. Den erstens kann man die Art in ausreichend großen Aquarien auch recht gut züchten, in dem man eine ausreichend große Schwimmpflanzendecke bietet. Es werden dann in der Regel immer einige wenige Tiere durchkommen, ausreichend, um den eigenen Bestand zu erhalten und einige Tiere gelegentlich abzugeben. Will man gezielt größere Mengen an Jungfischen aufziehen, kann man die tragenden Weibchen herausfangen und in ein kleineres Becken mit einer dichten Schwimmpflanzendecke umsetzen, wo die Jungen ungefährdet von hungrigen Mitbewohnern schlüpfen können.
Ergänzend möchte ich eine dritte Möglichkeit erwähnen, die jedoch umstritten ist und definitiv nichts für Halter ist, die ungeübt sind im Umgang mit Fischen oder Laich. Man kann den tragenden Weibchen die Eier „stehlen“. Dazu wartet man, bis die Eier am Weibchen stark dunkel geworden sind, was ein Zeichen dafür ist, dass der Schlupf kurz bevorsteht. Dann fängt man das Weibchen heraus, fixiert es in einem nassen Kescher und streift mit der anderen Hand und mit nassen Fingern die Eier vom Weibchen ab. Das Weibchen trägt die klebrigen Eier auf den schaufelartig vergrößerten Bauchflossen mit sich herum. Mit etwas Übung kann das ganze Paket abgenommen werden, ohne dass es dem Weibchen schadet. Allerdings muss man wissen, dass die Eier nicht lose auf den Flossen liegen. Vielmehr ist jedes Ei über eine Art Faden mit dem Körper des Weibchens verbunden. Die Fäden sammeln sich in einem sogenannten Plug, der sich mit dem Schlupf der Jungfische auflöst. Die Praxis des Abnehmens der Eier erfordert also ein hohes Maß an Übung und Sorgfalt und ist gleichzeitig nur dann durchführbar, wenn der Schlupf bereits unmittelbar bevorsteht. Wer nicht über die entsprechende Erfahrung verfügt, der sollte im wahrsten Sinn des Wortes „die Finger davon lassen“.


Jüngere Weibchen tragen oftmals nur zwei oder drei Eier mit sich herum, während ältere und entsprechend große Weibchen manchmal auch auf Eizahlen von über 15 Stück oder sogar noch mehr kommen. Die Jungen schlüpfen bei 26 Grad nach rund 21 Tagen, bei kühlerem Wasser kann es auch etwas länger dauern.
Hat man eine ausreichend große Gruppe im Aquarium, werden fast ständig ein oder mehrere Weibchen mit Eiern zu beobachten sein. Die Unterscheidung der Geschlechter ist sehr einfach, Männchen haben deutlich ausgezogene und verlängerte Flossenstrahlen in der Rücken- und der Afterflosse, während bei den Weibchen die Bauchflossen für den Eitransport stark vergrößert sind. Nur nach dem Umsetzen reagieren die Tiere manchmal mit einigen Wochen Verweigerung, bis wieder die ersten Eier tragenden Weibchen zu sehen sind. Die Jungfische lassen sich sehr gut mit Artemianauplien oder fein pulverisiertem Trockenfutter ernähren.

Insgesamt gestalten sich Haltung und Zucht von O. sarasinorum recht einfach, zumindest für einen erfahrenen Aquarianer.
Gunnar Loibl
