Die Geschichte, wie Oryzias celebensis zu mir gekommen ist, ist etwas kurios. Ursprünglich sollte ich die Art schon im Jahr 2022 bekommen, allerdings wurden damals die Beutel verwechselt, so dass die für mich vorgesehenen O. celebensis letztlich in der Türkei landeten und ich stattdessen eine neue Regenbogenfischart bekommen habe, die eigentlich für unseren türkischen Freund gedacht war. Konfrontiert wurde ich mit O. celebensis dann erst wieder 2025, und zwar auf ziemlich spannende und verrückte Weise!
In einem sehr guten Aquariengeschäft, dessen Besitzer mir immer wieder mal Besonderheiten reserviert, schwammen wirklich fantastische Exemplare von Marosatherina ladigesi. Ich nahm also die ganze Gruppe mit und bemerkte zu Hause, dass unter den Ährenfischen auch ein einziger Reisfisch schwamm, den ich unschwer als O. celebensis identifizieren konnte. Das wiederum war aber nur zu erklären, wenn es sich um Wildfänge handeln würde, was nach einiger Recherche auch bestätigt wurde. Beide Arten kommen zum Teil syntop im Hochland von Maros vor. So hatte ich also unerwartet neben wildgefangenen M. ladigesi auch noch ein wildgefangenes Weibchen von O. celebensis zu Hause schwimmen.
Leider verlief die Suche nach passenden Männchen zunächst erfolglos. Ich wollte aber unbedingt die unerwartete Chance nutzen, von diesem Wildfangtier Nachwuchs zu bekommen. Schließlich konnte ich bei einem anderen Händler ein Dutzend O. celebensis aus Nachzuchten erwerben, von denen ich vier besonders schöne und kräftige Männchen aussuchte, um sie nacheinander mit meinem Weibchen zu verpaaren.
Oryzias celebensis stellt keine besonders hohen Ansprüche an die Haltung, nur sollte das Wasser selbstverständlich frei von Stickstoffverbindungen sein und die Art sollte auch nicht dauerhaft bei zu hohen Temperaturen gehalten werden. Wie schon beschrieben stammt die Art unter anderem auch aus den etwas höher gelegenen Regionen um Maros und bewohnt dort entsprechende Gewässer. Zwar ist die Art auch in zentraleren Teilen Sulawesis zu finden, dennoch bekommen ihr dauerhaft sehr hohe Temperaturen nicht. Ebenso sollte das Wasser nicht zu weich oder sauer sein, die Region um Maros ist geprägt von Karstlandschaften. Die Ernährung ist vollkommen unproblematisch, jedes Futter geeigneter Größe wird gerne angenommen.

O. celebensis zählt nicht gerade zu den größeren Reisfischarten, sie ist aber definitiv eine der Arten, die wenig scheu sind. Ob im Artaquarium oder vergesellschaftet mit anderen passenden Fischen, eben zum Beispiel M. ladigesi, zeigen sie sich sehr lebhaft und erfreuen den Beobachter mit ihrem bläulichen Streifen. Eine weitere erfreuliche Eigenschaft ist die anscheinend recht unkomplizierte Zucht. Es gibt einige wenige ältere Bestände dieser Art in der Aquaristik, über die ich persönlich nichts sagen kann. Insbesondere kann ich auch nichts sagen zu möglichen Unterschieden in der Haltung, der Zucht oder dem Verhalten dieser länger in der Aquaristik befindlichen Stämme im Vergleich zu meinem „halben Wildfang-Stamm“. Ich habe mich nämlich ganz bewusst dafür entschieden, ausschließlich mit diesem einen Wildfangweibchen zu züchten und dieses eben mit mehreren Männchen zu verpaaren, um in der ersten Generation eine möglichst hohe Zahl an „halben F1-Tieren“ zu bekommen.
Die beschriebenen Verpaarungen verliefen sehr unproblematisch. Ich habe das Weibchen jeweils mit einem Männchen in einem 20 Liter fassenden Aquarium angesetzt, das ausschließlich mit Sand als Bodengrund und einem Laichmop ausgestattet war. Nach jeweils knapp drei Wochen tauschte ich das Männchen und den Laichmop aus, so dass ich sicher sein konnte, tatsächlich von jedem der ausgesuchten Männchen Nachwuchs zu haben. Das hat wie gesagt sehr gut funktioniert, aus jedem der Ansätze habe ich zwischen 20 und 25 Jungfische gewonnen.
Die Aufzucht der Jungen war wie erwartet sehr einfach. In den ersten Tagen bekamen sie feinstes Trockenfutter, danach zunehmend frisch geschlüpfte Artemianauplien.

Die Geschichte zeigt, dass man manchmal mit Glück und einem guten Draht zu einem engagierten Händler schöne Überraschungen erleben kann!
Gunnar Loibl
