Substratvorlieben von Tylomelania-Schnecken

Die Schneckenvielfalt in den Sulawesi-Seen ist unglaublich groß. Allerdings findet man keineswegs alle elf im Towuti-See lebenden Arten der Gattung Tylomelania überall im See. An einigen Stellen kommt nur eine einzige Art vor, während zwei völlig andere Arten in direkter Nachbarschaft leben. Die Vorkommen werden nicht durch einen räumlichen Abstand begrenzt, sondern durch andere Lebensbedingungen. Die sogenannten Mikrohabitate im See besitzen zwar dieselbe Wasserchemie, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der anderen Bedingungen und dem Nahrungsangebot. Dies hängt unter anderem mit unterschiedlicher Wasserbewegung und verschiedenen Strömungen zusammen, mit dem in der jeweiligen Wassertiefe verfügbaren Licht, der Menge an verfügbarer organischer Substanz und vor allem mit der Art des Untergrundes.

Weil die Vorliebe für bestimmte Substrate der wichtigste Faktor ist, der das Vorkommen bestimmter Tylomelania-Arten in den Seen beeinflusst und damit auch ihre Ansprüche an die Aquarienhaltung, nehmen wir die bevorzugten Substrate in unsere Liste aller endemischen Schneckenarten aus Sulawesi auf. In diesem Artikel soll es um die Gattung Tylomelania gehen, aber auch andere Schneckenarten (nicht nur von der Insel Sulawesi) zeigen vergleichbare Vorlieben für einzelne Substrate.

Es ist eigentlich ganz einfach – eine Tylomelania frisst dort, wo sie kriecht. Sie hat schlicht keine andere Wahl – das Wasser ist so sauber, dass sich eine filtrierende Ernährungsweise nicht lohnen würde. Feiner Schlamm, Sand oder Steine bieten vollkommen unterschiedliche Ressourcen und erfordern angepasste Strategien; die Unterschiedlichkeiten in der Umgebung und die daraus resultierende Spezialisierung hat entscheidend zur Artenvielfalt der Sulawesischnecken beigetragen. Die Radula oder Raspelzunge ist eine Struktur in der Maulhöhle der Schnecke, die dazu dient, Futter von Oberflächen abzutragen und es in die Speiseröhre zu schieben, und sie ist an die jeweilig bevorzugten Substrate angepasst. Normalerweise sieht man die Radula nicht; aber dass unterschiedliche Schnecken auf unterschiedlichen Substraten leben, ist offensichtlich.

Tylomelania spp. lassen sich in zwei Gruppen einteilen: die Hartsubstratler und die Weichsubstratler. Nur eine relativ kleine Gruppe von Generalisten entzieht sich dieser Unterteilung.

Hartsubstratler

Diese Schnecken leben auf Felsen. Sie fressen Biofilme, die sie vom harten Untergrund abschaben – hierbei handelt es sich nicht um sichtbaren Algenbewuchs, der natürlicherweise in den Flüssen und Seen Sulawesis nur sehr selten auftritt. In flachem Wasser kommen diese Schnecken in größerer Zahl vor, oft in Zonen mit stärkerer Wasserbewegung (in den Seen haben wir überraschend hohe Wellen) oder in strömungsreichen Flussabschnitten. Die Anzahl der Schnecken auf scheinbar nacktem Stein ist atemberaubend!

Eine Untergruppe der Hartsubstratler hat sich auf im Wasser liegendes Hartholz spezialisiert.

Weichsubstratler

Zu ihnen gehören die Schnecken, die man auf Sand oder Schlamm findet. Sie suchen teilweise auch im Substrat nach Nahrung und ziehen mit ihren schweren Gehäusen tiefe Schleifspuren hinter sich her. Sie fressen überwiegend feinen Detritus, weshalb sie in größeren Tiefen vorkommen und überall dort, wo der Grund eben und das Wasser ruhiger ist.

Ausnahmen

Natürlich gibt es auch Ausnahmen: zum Beispiel Arten, die man auf Pflanzen findet, in der Regel auf den Blättern und Blütenstielen von Ottelia mesenterium. Diese majestätische Pflanze trägt selbst große Tylomelania-Arten mit Leichtigkeit. Die meisten der auf Pflanzen zu findenden Schnecken sind jedoch nicht auf diesen Untergrund spezialisiert – so viele Pflanzen gibt es in den Seen nicht, und die Bestände sind auch nicht sehr dicht.

Eine wichtige Gruppe stellen die sogenannten Generalisten dar, die nicht auf ein bestimmtes Substrat spezialisiert sind. Sie sind jedoch den Weichsubstratlern näher als den Hartsubstratlern. Man findet sie in der Übergangszone, häufig in Ansammlungen organischer Masse auf Hartsubstraten – wie Detritus, Pflanzenteilen oder ins Wasser gefallenem Laub.  Arten aus dieser Gruppierung werden häufig im Aquarium gehalten – und eignen sich auch am besten für die Aquarienhaltung, weswegen sie so beliebt sind.


Die Zuchtbedingungen für Tylomelania-Schnecken – insbesondere mit Bezug auf ihr bevorzugtes Substrast – besprechen wir in einem weiteren Post.