Oryzias eversi war neben O. sarasinorum lange Zeit die einzige Art unter den Sulawesi-Reisfischen, bei der das Weibchen die Eier nach der Befruchtung noch mit zum Schlupf der Jungen mit sich herumgetragen hat. Inzwischen ist mit O. kalimpaaensis eine dritte Art hinzugekommen.

© Markéta Rejlková
O. eversi ist in Normalfärbung das, was meine Frau als „schwimmende graue Maus“ bezeichnet. Balzende Männchen dagegen sind eine absolute Schau und stellen mit ihren abgespreizten Flossen und ihrer dann tiefschwarzen Färbung viele andere Aquarienfische in den Schatten. Ich selbst pflege die Art schon seit vielen Jahren und habe sie 2019 von Andreas Wagnitz, ebenfalls Mitglied der Sulawesi Keepers, bekommen. Zum Leidwesen meiner Frau – laut ihrer Aussage waren sogar meine Buntbarsche nicht bunt – habe ich ohnehin eine gewisse Schwäche für graue Fische. Seit ich aber im Jahr 2023 zusammen mit Markéta Rejlková den einzigen bislang bekannten Fundort dieser Art auf Sulawesi besuchen konnte und wir feststellen mussten, dass das Gewässer inzwischen zu einem Bade- und Waschplatz verkommen ist, offensichtlich voll mit Resten von Seifenprodukten und überdies bewohnt von zahlreichen invasiven Fischarten, weiß ich, dass ich diese Art immer halten und züchten werde. Ich bezweifle, dass sie in ihrem ursprünglichen Biotop noch vorhanden ist!

© Hans-Georg Evers
O. eversi wirkt für Reisfisch-Verhältnisse ziemlich „sperrig“ und Männchen sind auch gegenüber größeren Regenbogenfischarten, mit denen ich sie zum Teil vergesellschaftet habe, durchaus durchsetzungsfähig. Wie bei allen Reisfischen gilt, dass sie sich nur in einer Gruppe wirklich wohl fühlen. Sie sind allerdings keine intensiven Schwimmer, so dass eine kleinere Gruppe bereits in einem 60-Zentimeter-Aquarium gehalten werden kann, eindeutig besser geeignet sind jedoch Aquarien mit mindestens 80 Zentimeter Kantenlänge. Je größer das Becken, desto mehr balzende Männchen werden sich auch in ihrer schönsten Farbe zeigen. In kleineren Becken ist oftmals nur ein Männchen intensiv gefärbt, während die anderen, auch wenn sie durchaus an Verpaarungen beteiligt sind, eher unauffällig bleiben. Auch in größeren Becken kann man aber immer wieder beobachten, dass sich zwei oder drei intensiv gefärbte Männchen streiten und gegenseitig imponieren, während an einer angelegenen Stelle offenbar unterlegene Männchen schon zur Tat schreiten und sich mit den Weibchen paaren.

© Hans-Georg Evers

© Hans-Georg Evers

© Hans-Georg Evers
Die Wasserwerte sind bei dieser Art weniger entscheidend, solange die Tiere keinen Extremwerten ausgesetzt sind. Sie fressen alles, was in ihr Maul passt und das kann mitunter überraschend groß sein. Selbst halbwüchsige O. eversi würgen manchmal solange an mittelgroßen Mückenlarven herum, dass sie nach dem Verschlingen oftmals wie „aufgeblasen“ wirken.
Bei der Nachzucht gelten die meisten Aussagen, wie sie bei O. sarasinorum beschrieben wurden. Allerdings kommen unter den selben Bedingungen viel weniger junge O. eversi durch als O. sarasinorum. Auch wenn ich das nicht konkret beobachten konnte, scheint es dennoch so zu sein, dass die O. eversi ihrem Nachwuchs intensiver nachstellen. Nur in ausreichend großen Aquarien mit entsprechend viel Schwimmpflanzen kommt ausreichend Nachwuchs von O. eversi durch.

© Markéta Rejlková
Die Tragezeit der Eier ist ähnlich wie bei O. sarasinorum temperaturabhängig. Bereits nach wenigen Tagen kann man jedoch gut die Augen der Jungen in den Eiern sehen und ähnlich wie bei O. sarasinorum wird der Züchter recht schnell ein gutes Gefühl dafür bekommen, wann die Jungen schlüpfen werden. Auch bei den O. eversi kann man die Eipakete den Weibchen vorsichtig abnehmen und sie in ein gesondertes Schlupfbecken überführen. Die Aufzucht ist sehr unproblematisch und kann mit feinem Flockenfutter und mit Nauplien von Artemia erfolgen.
Gunnar Loibl
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